Mobbing hinterlässt Spuren – psychisch, sozial, manchmal auch physisch. Und doch bleibt es in vielen Schulklassen lange unsichtbar. Dieser Artikel zeigt, wie du Mobbing frühzeitig erkennst, welche Formen es gibt und wie du mit einem strukturierten Fragebogen-System ein klares Bild bekommst – kostenlos, evidenzbasiert und sofort einsetzbar.
~17 %
der Schüler/-innen in Deutschland sind regelmäßig von Mobbing betroffen
∅ 2,5 J.
dauert es, bis Mobbing erkannt und ernsthaft angegangen wird
60 %
der Betroffenen sprechen nie mit einer erwachsenen Person darüber
Diese Zahlen machen deutlich: Mobbing ist kein seltenes Randphänomen. Es passiert in fast jeder Schule – oft direkt vor den Augen von Erwachsenen, die es trotzdem nicht bemerken. Das ist kein Vorwurf, sondern eine Einladung: Mit den richtigen Werkzeugen kann sich das ändern.
Was ist Mobbing – und was nicht?
Der Begriff „Mobbing“ wird im Alltag oft für jegliche Art von Streit oder Konflikten verwendet. Das führt dazu, dass echtes Mobbing manchmal verharmlost – und normale Konflikte manchmal überbewertet werden. Deshalb ist eine klare Definition entscheidend.
„Mobbing ist, wenn ein Schüler oder eine Schülerin wiederholt und über einen längeren Zeitraum negativen Handlungen durch einen oder mehrere Schüler ausgesetzt ist und sich dabei in einer Situation befindet, in der es schwer fällt, sich zu verteidigen.“
Dan Olweus, Begründer der internationalen Mobbingforschung, 1991
Drei Kernkriterien unterscheiden Mobbing von einem normalen Konflikt zwischen Gleichaltrigen:
🔁
Wiederholung
Die Handlungen passieren nicht einmal, sondern wiederholt und systematisch über Zeit.
🎯
Absicht
Die Handlungen werden bewusst eingesetzt, um eine bestimmte Person zu schädigen oder zu quälen.
⚖️
Machtungleichgewicht
Die betroffene Person kann sich nicht gleichwertig zur Wehr setzen – körperlich, sozial oder emotional.
Sind alle drei Kriterien erfüllt, liegt Mobbing vor – unabhängig davon, ob es auf dem Pausenhof, im Klassenzimmer oder online stattfindet. Ein einmaliger Streit, der sich wieder klärt, ist kein Mobbing. Ein wochenlanger systematischer Ausschluss aus der Gruppe sehr wohl.
Die vier Mobbingformen – und warum sie alle sichtbar gemacht werden müssen
Mobbing zeigt sich nicht immer als körperlicher Angriff. Oft sind es die subtileren Formen, die besonders lange unentdeckt bleiben – und die psychisch besonders tief treffen. Die Forschung unterscheidet vier Hauptformen:
Form 1
Physisches Mobbing
Schlagen, treten, schubsen, Sachbeschädigung, körperliche Einschüchterung oder unerwünschter Körperkontakt.
Form 2
Verbales Mobbing
Beleidigungen, Beschimpfungen, Drohungen, Gerüchte verbreiten, systematisches Erniedrigen durch Worte.
Form 3
Relationales Mobbing
Soziale Ausgrenzung, systematisches Ignorieren, Manipulation von Freundschaften, bewusste Isolation.
Form 4
Cybermobbing
Bedrohungen und Beleidigungen via Smartphone oder Social Media, unerlaubtes Teilen von Bildern, Online-Ausgrenzung.
Wichtig für die Praxis: Relationales Mobbing und Cybermobbing werden von Erwachsenen am häufigsten übersehen. Sie finden oft im Verborgenen statt – in Messenger-Gruppen, auf dem Schulweg oder in Blicken und Gesten, die niemand außer der betroffenen Person wahrnimmt. Deshalb ist eine strukturierte Befragung so wertvoll.
Warum ein standardisierter Fragebogen so wirkungsvoll ist
Als Lehrkraft oder Coach hast du täglich mit Klassen zu tun. Du entwickelst ein Gespür dafür, wenn etwas nicht stimmt. Aber dieses Gespür reicht oft nicht aus – und das ist keine Schwäche, sondern die Natur der Sache. Mobbing findet häufig im Verborgenen statt. Betroffene schweigen aus Scham oder Angst. Mitschüler/-innen sehen zwar etwas, melden es aber nicht.
Ein anonymer, strukturierter Fragebogen durchbricht genau diese Muster. Er gibt Schüler/-innen eine sichere Möglichkeit, auf Vorgänge hinzuweisen, die sie sonst nie ansprechen würden. Er macht das Klassenklima messbar. Und er liefert dir als handelnder Person eine klare Grundlage – statt Bauchgefühl eine Datenbasis.
Das LH Coaching Mobbing-Diagnose-System – so ist es aufgebaut
Das folgende Fragebogen-System wurde eigens für LH Coaching entwickelt – auf Basis des international anerkannten Olweus Bully/Victim Questionnaire, des Kieler Mobbing-Indexes sowie der Empfehlungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und der WHO-Schulgesundheitsforschung.
Jeder Fragebogen erfasst alle vier Mobbingformen (physisch, verbal, relational, Cyber) mit je 5 Fragen – insgesamt 20 Aussagen, bewertet auf einer 5-stufigen Likert-Skala:
1
Nie
2
Selten
3
Manchmal
4
Oft
5
Immer
Die Punkte werden aufsummiert und mit dem beigefügten Auswertungsbogen in eine Risikostufe eingeordnet:
| Risikostufe | Gesamtpunkte | Was das bedeutet | Empfohlene Reaktion |
|---|---|---|---|
| 🟢 Grün | 0–20 | Kein bis kaum Mobbing erkennbar | Prävention aufrechterhalten, Klima beobachten |
| 🟡 Gelb | 21–40 | Einzelne Vorfälle, erhöhte Aufmerksamkeit nötig | Beobachtung intensivieren, Einzelgespräche führen |
| 🟠 Orange | 41–60 | Erhöhtes Mobbingrisiko, Handlungsbedarf | Intervention einleiten, Fachstelle einbeziehen |
| 🔴 Rot | 61–80 | Akutes Mobbing, sofortiger Handlungsbedarf | Sofortige Maßnahmen, LH Coaching hinzuziehen |
🎁 Kostenlose Fragebögen zum Download
Alle Fragebögen sind sofort einsatzbereit
📋 FB 1 – Klassenfragebogen Grundschule (anonym)
Alter 6–10 Jahre · Kindgerechte Sprache · Gesamte Klasse Kostenlos
👤 FB 2 – Einzelfragebogen SchülerIn (Grundschule)
Alter 6–10 Jahre · Ich-Perspektive · Betroffene Person Kostenlos
📋 FB 3 – Klassenfragebogen Mittelstufe (anonym)
Alter 10–14 Jahre · Sachliche Sprache · Gesamte Klasse Kostenlos
👤 FB 4 – Einzelfragebogen SchülerIn (Mittelstufe)
Alter 10–14 Jahre · Ich-Perspektive · Betroffene Person Kostenlos
🏫 FB 5 – Fragebogen für Lehrkräfte
Beobachtungsperspektive · Klassen- und Fachlehrkräfte Kostenlos
👨👩👧 FB 6 – Fragebogen für Eltern
Elternperspektive · Beobachtungen zuhause und auf dem Schulweg Kostenlos
📊 AB 7 – Auswertungsbogen & Handlungsempfehlungen
Risikostufen · Bereichsanalyse · Konkrete nächste Schritte Kostenlos
So setzt du die Fragebögen in deiner Klasse ein
Die Fragebögen sind so konzipiert, dass Lehrkräfte sie eigenständig einsetzen können – ohne externe Fachbegleitung. So funktioniert der Ablauf:
Vorbereitung (10 Minuten)
2
Ausfüllung (15–20 Minuten)
Lass die Klasse den Bogen in Ruhe ausfüllen – ohne Unterhaltung. Einsammeln in einem Stapel, nicht einzeln abgeben. So bleibt die Anonymität gewährleistet.
3
Auswertung (20–30 Minuten)
Trage die Punkte in den Auswertungsbogen (AB 7) ein, bilde den Mittelwert über alle Bögen und lies die Risikostufe ab. Notiere, welche Mobbingform am stärksten ausgeprägt ist.
4
Perspektiven zusammenführen
Lass parallel dazu Eltern (FB 6) und – wenn vorhanden – weitere Lehrkräfte (FB 5) die Bögen ausfüllen. Erst das Zusammenführen aller Perspektiven ergibt ein vollständiges Bild.
5
Handlung ableiten
Folge den Handlungsempfehlungen im Auswertungsbogen entsprechend der ermittelten Risikostufe. Bei Stufe Orange oder Rot: zögere nicht, professionelle Unterstützung zu holen.
Tipp für Grundschullehrkräfte: Bei jüngeren Kindern empfiehlt es sich, die Fragen gemeinsam vorzulesen und einzelne Begriffe kurz zu erklären – zum Beispiel, was „absichtlich ignorieren“ bedeutet. Das erhöht die Qualität der Antworten deutlich.
Was tun, wenn Mobbing erkannt wird?
Ein Fragebogen ist immer nur der erste Schritt. Er macht sichtbar, was ist. Was danach kommt, braucht Haltung, Struktur und – je nach Schweregrad – professionelle Begleitung.
Einige Grundprinzipien, die die Forschung für wirksame Interventionen belegt:
Nicht alleine kämpfen. Mobbing ist ein Gruppenphänomen – es braucht eine Gruppenantwort. Einzelgespräche mit dem Täter oder der Täterin allein reichen selten aus.
Betroffene schützen, nicht in Konfrontation bringen. Betroffene Schüler/-innen brauchen zuerst Schutz und das Gefühl, gehört zu werden – nicht ein Gespräch im Beisein der mobbenden Person.
Eltern frühzeitig einbeziehen. Auf beiden Seiten – sowohl die Eltern der betroffenen als auch der mobbenden Person müssen informiert und eingebunden werden.
Dokumentation ist entscheidend. Halte Vorfälle, Gespräche und getroffene Maßnahmen schriftlich fest – für dich selbst, für die Schulleitung und als Schutz für alle Beteiligten.
Du stehst gerade vor einer konkreten Situation?
In unseren Seminaren und Coachings begleiten wir Lehrkräfte, Eltern und Schulen Schritt für Schritt – von der Diagnose bis zur Intervention.
Fazit: Sehen ist der erste Schritt
Mobbing aufzudecken braucht keine Zauberei – es braucht Struktur, Offenheit und die richtigen Werkzeuge. Die Fragebögen in diesem Artikel sind genau das: ein niedrigschwelliger, evidenzbasierter Einstieg, der Mobbing sichtbar macht, noch bevor es sich festsetzt.
Ob du als Lehrkraft eine Klasse besser verstehen möchtest, als Elternteil das Verhalten deines Kindes einordnen willst oder als Coach eine Schule systematisch unterstützt – diese Bögen liefern dir eine klare, handlungsorientierte Grundlage.
Und wenn der Bogen zeigt, dass mehr nötig ist als Prävention: Wir sind da.
Mobbing stoppen – professionell und nachhaltig
In unseren Seminaren und Einzel-Coachings lernst du, wie du Mobbing strukturiert angehst, Klassen wieder zusammenbringst und Betroffene wirkungsvoll begleitest.
Für Lehrkräfte · Schulen · Eltern · Coaching-Fachkräfte
Wissenschaftliche Grundlagen:
Olweus, D. (1991). Bully/Victim Problems Among Schoolchildren. · Kieler Mobbing-Index (Universität Kiel) · Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung – BZgA: Prävention von Mobbing an Schulen · World Health Organization – Health Behaviour in School-Aged Children (HBSC) Study · Schäfer, M. & Korn, S. (2004). Gemobbt oder nicht gemobbt? Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie.

